Rhein-Kreis Neuss. Männer sterben in Deutschland im Durchschnitt rund fünf Jahre früher als Frauen. Ein wesentlicher, oft unterschätzter Faktor dafür ist die psychische Gesundheit. Dennoch nehmen Männer deutlich seltener professionelle Hilfe in Anspruch. Anlässlich der internationalen Männergesundheitswoche, die bis zum 21. Juni unter dem Motto „Einsamkeit ist ein Risiko – Gemeinschaft eine Ressource“ steht, rückt das Gesundheitsamt des Rhein-Kreises Neuss die seelische Gesundheit von Männern in den Fokus.
Im Mittelpunkt steht dabei die Aufklärung: Ziel ist es, bestehende Vorurteile abzubauen, für geschlechtsspezifische Unterschiede in der Symptomatik zu sensibilisieren und die Wahrnehmung für psychische Belastungen bei Männern zu schärfen. Denn diese äußern sich häufig anders als erwartet: Statt klassischer Symptome wie Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit zeigen sich vermehrt Rückzug, Reizbarkeit, aggressives Verhalten oder ein erhöhtes Risikoverhalten. Diese abweichenden Ausdrucksformen tragen dazu bei, dass Depressionen bei Männern deutlich seltener erkannt werden.
„Viele Männer haben gelernt, Belastungen mit sich selbst auszumachen und Stärke über Schweigen zu definieren. Doch genau dieses Schweigen kann zur Gefahr werden – denn psychische Gesundheit braucht Resonanz, Beziehung und die Möglichkeit, sich mitzuteilen“, betont Gregor Küpper, der Gesundheitsdezernent des Rhein-Kreises Neuss. Die Folgen dieser „stillen Krise“ seien gravierend: Rund drei Viertel aller vollendeten Suizide in Deutschland beträfen Männer. Darüber hinaus seien psychische Erkrankungen der häufigste Grund für eine Erwerbsminderungsrente bei Männern.
Das Motto der Gesundheitswoche lenkt den Blick auf einen zentralen Risikofaktor: soziale Isolation. Viele Männer vernachlässigen im Lauf ihres Erwachsenenlebens soziale Beziehungen zugunsten beruflicher Verpflichtungen. Wenn diese Strukturen wegfallen, kann Einsamkeit entstehen, die das Risiko für psychische Erkrankungen erhöht.
Das Gesundheitsamt des Rhein-Kreises Neuss möchte diese Zusammenhänge sichtbar machen und dazu ermutigen, psychische Belastungen ernst zu nehmen – im eigenen Leben wie auch im sozialen Umfeld. Im Fokus steht die Botschaft: Offenheit und Gespräch können erste wichtige Schritte sein, um Belastungen zu begegnen und Unterstützung zu ermöglichen.
Hilfsangebote im Überblick:
- Sozialpsychiatrischer Dienst des Rhein-Kreises Neuss: Telefon 0 21 31/928 53 52
- Bundesweite Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 oder 116 123 (kostenfrei, anonym, rund um die Uhr erreichbar)
- Info-Telefon Depression: 0800/33 44 533
- Beratung des Sozialdienstes Katholischer Männer für Männer in belastenden Lebenssituationen: 0 21 31/92 48 50
- Online-Angebote: Informationsportale, unter anderem der Stiftung Männergesundheit, bieten Selbsttests und Orientierungshilfen
Das Kreisgesundheitsamt ermutigt dazu, bestehende Unterstützungsangebote wahrzunehmen und miteinander im Gespräch zu bleiben. Gemeinschaft könne ein entscheidender Schutzfaktor sein – und der erste Schritt beginne oft mit einem offenen Wort.
