Wiesenmahd auf ökologischen Ausgleichsflächen – ein Widerspruch zum Artenschutz?

Jüchen – Vor dem Hintergrund sich zunehmend verschlechternder Lebensbedingungen für Insekten, Vögel, Reptilien, Amphibien und Kleinsäuger legt die Stadt Jüchen seit nunmehr 20 Jahren auf den ökologischen Ausgleichsflächen und innerörtlichen Grünanlagen Wildkräuterwiesen an. Aus naturschutzfachlichen Gründen wird hierfür regionales Saatgut, das über 30 verschiedene Kräuterarten enthält, verwendet.
Inzwischen verfügt die Stadt an den Ortsrändern und in der freien Landschaft über extensiv gepflegte Wildkräuterwiesen in einer Größenordnung von 18 Hektar. Kontinuierlicher Neuerwerb von landwirtschaftlichen Grundstücken ermöglicht die Schaffung weiterer Blühwiesen, die punktuell mit insektenfreundlichen Baum- und Strauchgehölzen, insbesondere Wildobstarten, angereichert werden. Hierdurch werden Habitatstrukturen geschaffen, die für viele Offenland bewohnende Tierarten überlebenswichtig sind.
Um die Artenvielfalt langfristig zu steigern, ist es geboten, auf den überwiegend nährstoffreichen Böden zwei Schnitte in der Zeit zwischen Anfang Juni und Anfang Oktober durchzuführen. Von einigen kleineren verwinkelten Flächen abgesehen wird das Mähgut vollständig aufgenommen. Dadurch werden die Böden ausgemagert und somit die Wuchsbedingungen für die Kräuter verbessert, was wiederum das Nahrungsangebot für die Insekten steigert.
Auf nährstoffreichen Standorten trägt zudem eine frühe Mahd dazu bei, die oftmals dominanten Gräser zu unterdrücken und die Ausbreitung von Kräutern zu fördern.
Um das Mähgut einer sinnvollen Verwertung zuzuführen, kooperiert die Stadt mit einzelnen lokalen Pferdehaltern, so zum Beispiel im „Schleider Grund“ zwischen Otzenrath und Spenrath. Das dort geschnittene Mähgut wird zu hochwertigem Heu verarbeitet. Der richtige Mahdzeitpunkt orientiert sich an ökologischen, ökonomischen und meteorologischen Erfordernissen und stellt immer einen bestmöglichen Kompromiss dar. Die Auswahl des optimalen Zeitpunktes obliegt den Kooperationspartnern der Stadt Jüchen.
Auch wenn die Mahd einer in voller Blüte stehenden Wiese auf den ersten Blick zerstörerisch erscheinen mag und immer den Tod zahlreicher Tierindividuen zur Folge hat, muss man bedenken, dass der Biotoptyp „Wiese“ überhaupt erst durch menschliche Eingriffe zustande gekommen ist und durch traditionelle Formen der landwirtschaftlichen Bodennutzung geprägt wird.
Auch die bunten artenreichen Alpenwiesen, die vielerorts bereits ab Ende Mai gemäht werden, verdanken ihre Existenz dieser Bewirtschaftungsart.
Durch den Einsatz von Balkenmähern wird jedoch in vielen Fällen eine tierschonendere Mahd angestrebt.
Damit die wertvollen Rahmenbedingungen der ökologischen Ausgleichsflächen langfristig aufrechterhalten werden können, ist es wichtig, dass die Flächen nicht betreten werden, sondern Fußgängerinnen und Fußgänger vorhandene Wege nutzen. Die Stadt bittet zudem alle Hundebesitzer, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner zu beseitigen. Diese sind kein Bestandteil der dortigen Natur und wirken sich negativ auf Flora und Fauna aus.

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